Open air
Poppen am Fluss

Foddos ...
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So lief´s:
Am 10. Juli 03 war Probe. Immerhin, eine von vieren... lief aber ganz ordentlich, alle waren guter Dinge, dann die letzte am 11.Juli. Vormittags. Einmal durch. Zack. War gut. Bis dahin war für mich alles etwas stressig wegen der Vorbereitung: CD sollte fertig sein, Ti-Schörts, Visitenkarten, Mörtschendaisingstand, Aufnahmen mussten gemacht werden, Fotograf gebucht, Karten besorgt und und und und....man glaubt nicht, welche Hektik bei sowas aufkommen kann. Hat mich auch nicht gerade entspannt, als ich dann am 11. mit grossem Gedöns von allen gesucht wurde, da technische Details mit der Open-Air-Crew geklärt werden mussten. Als das vorbei war, Soundcheck gelaufen war (ging superschnell, die Technik-Crew war echt der Hammer) hab ich plötzlich gedacht: so, ich mach jetzma ersma ganz loggä. Sammy (Tasten), Kai (Gitarre), Mike (Bass) und Klaus (Drums) waren in unserem Aufenthaltsraum, was mir aber bei dem schönen Wetter eine Sünde war. Bin ein bisschen spazieren gegangen, hab ich mich ein wenig unter die herrlichen Kastanien an der Lahn gelegt, bin auch glatt eingenickt und irgendwann saß der Klaus auf...haha...quatsch, neben mir, hat mich mit seinem mir so lieb gewordenen Lachen angegrinst und wir wussten wie schon so oft vor einer der zahllosen Schlachten, die wir gemeinsam geschlagen haben: Das räumt heute!

So, und zack, wurden wir auch schon angesagt. Die Band hatte sich hinter der Bühne versammelt, man wagte schon mal einen Blick über den Bühnenrand ins Publikum - fuuh, wunderbar, die Massen strömten herbei, wir hatten locker schon 4 000 Leute da. Mike und Kai ging ziemlich die Düse, das konnten sie nicht verbergen, Sammy war angespannt, Klausi und ich völlig locker. Dann raus. Sound war gut. Mischer-Fischer (Mark Fischer von Media-Ateliers in Mainz) stand mit gezückter 45er am Mischpult und lies keinen mehr ran, ich muss jetzt noch lachen, wenn ich dran denk. Er pullerte schon gleich zu Anfang alles aus den Boxen raus, was drin war. Das war schon die halbe Miete.

Ich hatte noch nie Angst vor Menschenmassen, aber diesmal hatte ich in der Vorbereitungszeit manchen Kampf mit mir auszutragen: ich wollte nur mit e i g e n e n Songs, die i c h selbst geschrieben habe, arbeiten - für mich ein absolutes Novum, da ich mein Geld hauptsächlich mit CoverMusik verdiene. Meine Sorge war, dass ich das Publikum nicht „greifen“ kann, wenn sie keinen einzigen Song kennen - die Sorge war unbegründet. Wir schafften eine wunderbare, entspannte Open-Air-Atmosphäre. Laith lupschte ab und zu mal oben aus seinem Fenster raus mit einem immer breiter werdenden Grinsen als er merkte, wie es uns gelang, die Leute mehr und mehr in unseren Bann zu ziehen und aufzumischen.

Wir legten los mit "Someday", etwas düster, aber drückender Rock, ideal um auch soundmäßig alles klar zu machen, schoben sofort nach mit "Ich will Dich", ein Titel, für den ich zunächst bei der Band etwas Spott geerntet habe. Aber der Song passte gut, war deutsch und auf ihn hatte ich mit die schönste Publikumsresonanz, weil die Menschen hierzulande ihn verstehen und er auch sehr lebendig die schönste Sache der Welt besingt. Ich mag ihn auch sehr. Weiter mit Small Town, eine Ode an mein geliebtes Weilburg. Hier ist zwar kulturell ziemlich der Hund begraben (außer Klassik, das finden immer alle gaaaaaaaaaaanz toll, das läuft immer) wenn man absieht von den eifrigen Bemühungen einzelner Brandungsfelsen. Viele Künstler aus der Region, die nix mit Klassik am Hut haben oder nicht das Weilburger Schloss malen oder fotografieren können ein Lied davon singen; aber wenn man so Hobbies hat wie ich (radeln, klettern, wandern, bootchen- moppedfahren usw.) dann haben wir's hier echt toll. Wenn das Wetter stimmt, braucht man nicht in Urlaub, Land und Leute sind einfach traumhaft.

Dann "Honey in Alaska", erste Animationsversuche - funktioniert. Die Leute gehen mit. Toll. Animation muss ich zwar fast alleine machen mit Klaus, aber es läuft...

"Seasons", mein jüngster Song. Total entspanntes Besingen von Zeittotschlagen, Jahreszeiten, Zeitgedanken, Liebe, Geborgenheit und Suche... ich find's total klasse, leg mich vorne auf den Bühnenausleger - ich glaube in diesem Moment ist ein wenig Magie auf dem Schlachtfeld: ich bin in Augenhöhe mit tausenden von Augen die mich fixieren, soweit ich schaue nur Augen, freundliche, strahlende Augen, die mir gebannt zuhören, seeeeeeehr viele Kinder ganz vorne, und wieder und wieder lachende Augen... ich schau hoch zur Garderobe, Laith steht am Fenster, schüttelt lachend den Kopf und hebt den Daumen ... ich fühl mich sauwohl in meiner Haut.
Mit dabei sind in diesen „Augenblicken“ ungezählte Lieder, die ich in den letzten 20 Jahren gesungen habe auf kleinen und großen und immer irgendwie wichtigen Anlässen; dabei sind auch die unzähligen schönen Kommentare, Komplimente und Respektbekundungen zahlloser Gastgeber, denen ich unvergessene Abende bereitet habe. Und ein ganz besonderer Augenblick ist dieser Tag in diesem wunderbaren Open-Air-Ambiente, der wie alle Feiertage der Welt für mich, nichts, aber auch rein gar nichts mit Arbeit zu tun hatte. Ich habe einfach alles nur ganz bewusst genossen. Es ist wie eine Fotografie in mir drin, wie bei „Seasons“ alles zeit- und schwerelos... ein absolut einmaliger Moment, zu vergleichen mit dem ersten verliebten Kuss, dem ersten Drachenflug oder dem ersten richtig großen Alpenpass mit dem Rad... einfach unglaublich, überwältigend. Ich lag da vorne auf der Bühne, sang Seasons obwohl ich keinen Monitor hatte außer den Direktschall der Riesen-Anlage und fand's einfach nur Klasse. Mittlerweile waren die Leute auch fast alle da, und obwohl es erst 18.20 oder so war, hatten wir eine außerordentliche Atmosphäre geschaffen. "Rainbow Colours" und "Herz" rockten dann noch mal richtig und mit "Whiskey in the Jar", einem meiner Lieblingssongs, den ich vor mittlerweile 20 Jahren mal von einem irischen Straßenmusiker gelernt habe und den ich im Laufe der Jahre zu einem ultimativ-animativem Song zusammengebaut habe, begann ich mein Programm zu schließen, da ich Rücksicht auf die noch nachfolgenden Bands nehmen wollte.

Die Menge tobte, fast alle machten mit, und nachdem zwei mutige Jungs von der Weilburger Helfercrew (Dominik,s. Gästebuch :-) ) mein www.petergruen.de - Plakat aufgerollt hatten, schlossen wir mit "That was Love", einer wunderschönen Ode an eine Frau, die ich mal sehr gerne mochte...

Unglaublich viele Mails, Komplimente und Auftrittsanfragen hagelten, eines der schönsten Komplimente bekam ich von dem Mann, vor dem ich an diesem Abend wirklich Manschetten hatte: Laith al Deen. Er ist ein unglaublicher Musiker und Sänger, ich hatte ihn zuvor schon zwei mal auf Open Airs gesehen, er ist wirklich tierisch. Er hat eine Band, von der man als Sänger echt nur träumen kann, Frieder Gottwald spielt einen Bass, der einem die Hosen auszieht, Ole rockt wie’s Tier ach und überhaupt: bei denen passt alles. Und dann der Laith. Locker, freundlich, null, absolut null arrogant, geduldig unzählige Foddos mit Fans gemacht, Autogramme geschrieben und was weiss ich was, geschwätzt, gelacht und Spaß für die Mack gehabt, genau wie seine Kapelle. Na jedenfalls, hab ich mir von ihm ein Autogramm geben lassen und auch lange mit ihm gequatscht, und er sagte, es wäre echt super gewesen, er wüsste, was es heißt, so früh irgendwo zu spielen wo alle wegen einer anderen Band kommen. Also echt, ein Typ den man einfach mögen muss.

Zu NENA möchte ich mich nicht äußern, nur soviel: ich wünsche ihr sehr, dass sie glücklich wird.

Ich möchte mich bedanken:

Bei meinem Freund Knut Rehn, der mir zum zweiten Mal das Vertrauen geschenkt hat, ein Open Air dieser Grössenordnung zu schmeißen.

Beim www.weltenbummler2003.de Maddin Lunz, der mich bei jeder nur erdenklichen Gelegenheit getreten hat, doch endlich meine eigenen Songs zu spielen und zu produzieren und der jetzt mit seiner Freundin Naddin mit Fahrrad und Boot die Welt bereist - Good, Good Luck an dieser Stelle;

Bei meiner Kapelle, insbesondere bei Klaus und Sammy, die mich oft aufziehen, weil ich ein so miserabler Musiker bin und mich aber noch nie hängen lassen haben nachdem sie mich demoralisiert haben...

Bei Mareike, die geduldig und freundlich meine Launen erträgt;

Bei Guido, der mich in allen grafischen Angelegenheiten vertritt; Beim Mischer-Fischer, der die PA schön auf ihre Grenzen hin getestet hat und natürlich beim "Q", der immerlachend auch die mieseste Laune wieder raushaut und sogar noch dabei Aufnahmen vom Konzert gemacht hat; Michael, dem Toningenieur von Westfalen-Sound und seinen Helfern, die uns nach Kräften unterstützt haben, so wie es echte Profis eben tun; Hendrik Matzen, Norbert und Thomas für die tollen Foddos (s.auch www.oberlahn.de und www.gooseweb.de), allen Helfern beim CD-Verkauf, Holger Scheve für seine Geduld.

Laith al Deen samt Band.

Den Schürzenjägern, sie sind echt klasse - auch menschlich.

Grüssen möchte ich alle, die da waren oder gern da gewesen wären und damit den Abend für mich unvergesslich gemacht haben

und natürlich meine kleine Lilli.